Rechtsanwältin

Martin-Zacharias
Rechtsanwalt für Familien- und
Gesellschaftsrecht

November 2014

Elterliche Sorge und Umgang

Übernachtungen sind Teil des Umgangsrechts

Oberlandesgericht Saarbrücken am 23. Januar 2013 (AZ: 6 UF 20/13)

Oft gibt es zwischen getrennt lebenden Eltern bezüglich des Umgangs mit ihren Kindern Streit.

Insbesondere das Thema „Übernachtung“ spielt dabei keine unwesentliche Rolle.

Für die Beziehung zwischen dem Kind und dem umgangsberechtigten Elternteil festigen aber gerade Übernachtungen die Bindung zwischen beiden.

Aus diesem Grund sind sie ein fester Bestandteil des Umgangs, egal ob die Entfernung zwischen den Wohnorten weit oder gering ist.

Nach dem Beschluss des Oberlandesgerichtes Saarbrücken spielt das bloße Alter eines Kindes keine maßgebliche Rolle.

Die Eltern, welche das gemeinsame Sorgerecht innehaben für ihren im August 2009 geborenen Kindes streiten um den Umgang, insbesondere darüber, ob das Kind beim Kindesvater übernachten darf.

Das Familiengericht regelte darauf den Umgang für den gemeinsamen Sohn dahingehend, dass auch Übernachtungen, zu Beginn in dreiwöchigem Rhythmus, ab März 2013 dann in zweiwöchigem Rhythmus, jeweils von Samstagmorgen bis Sonntag einschließlich der Übernachtung stattfinden sollen.

Die Mutter wehrte sich dagegen, da sie der Ansicht war, dass man dies einem dreieinhalbjährigen Kind nicht zumuten könne. Der Sohn habe noch nie auswärts übernachtet. Auch würde der Vater regelmäßig Alkohol und Cannabis konsumieren.

Dem folgte das OLG Saarbrücken nicht.

Es führte aus, dass das Umgangsrecht eines Elternteils ebenso wie das elterliche Sorgerecht des anderen Elternteils zum Elternrecht gehöre.

Im Übrigen habe das Kind selbst einen Anspruch auf Umgang mit den Eltern. Übernachtungen seien grundsätzlich geeignet, die Beziehung des Kindes zum umgangsberechtigten Elternteil zu festigen und dazu beizutragen, dass das Kind ihn nicht ausschließlich als „Sonntagselternteil“ erlebe.

Auch das Argument, das Kind habe noch nie auswärts übernachtet, spräche nicht gegen die Übernachtungen. Das Kind selbst habe ein Interesse daran, Übernachtungen beim Vater zu erleben. Auch hatte das Gericht festgestellt, dass der Sohn bereits mehrfach bei der Großmutter mütterlicherseits übernachtet habe. Er besuche zudem den Kindergarten und sei daher auch längere Abwesenheiten der Mutter schon gewöhnt.

Bezüglich der Vorwürfe Alkohol und Betäubungsmittel konnte das Gericht keine Ansätze für die Richtigkeit dieser Behauptungen finden und konnte somit keine Kindeswohlgefährdung feststellen.

Im Gegenteil. Der Kindesvater habe dies durchgehend bestritten und die Kindesmutter habe keinen einzigen konkreten Vorfall benennen können.

Zudem habe der Kindesvater – ohne dass er dazu verpflichtet gewesen wäre – sich einem Drogentest unterzogen, der negativ ausfiel.

Letztendlich führte das OLG Saarbrücken aus, dass es dem Entwicklungsprozess von Kindern grundsätzlich nicht diene, sie unter eine "Schutzglocke" zu setzen und ihnen damit alle familiären Auseinandersetzungen zu ersparen. „Auch Kinder müssen lernen, durch neue Strukturen, durch Veränderungen vielfältiger Art belastet zu werden, aus deren Wirklichkeit sie neue Kräfte beziehen.“.

Wenn Kinder in überbehüteter und einseitig auf die Vorstellungen eines Elternteils ausgerichteter Weise erzogen würden, würden sie dadurch nicht "lebenstüchtig".

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